Gründung der Initiative „Museum SELMA bleibt!“
„Museum SELMA bleibt“ - unter diesem Motto gründeten am Montag 95 Menschen im Naturfreundehaus Kalk eine Initiative zur Rettung des Migrationsmuseums am vorgesehenen Standort Kalk.
Die Empörung darüber war groß, dass die Öffentlichkeit so spät über die Vorgänge um die Finanzierung des Museums informiert worden war. Der Rat sei regelrecht überfahren worden, berichteten Knut Scholz von der Linksfraktion und Roman Schulte von den Grünen. Beide Ratsfraktionen seien entschlossen, um den Standort Kalk und um mehr Gelder zu kämpfen. Auch Bezirksvertreter der SPD aus Kalk äußerten ihr Befremden über die Vorgehensweise, die von der SPD-Ratsfraktion allerdings mitgetragen worden war. Stefan Eckstein von den Kalker Grünen erinnerte daran, dass auch die CDU, deren Vertreter nicht anwesend waren, den Änderungen des Ursprungsantrags zugestimmt hatten. Diese Änderungen hatten u.a. das rechtsrheinische Köln alsWunschstandort für das Museum SELMA bestätigt.
Einig waren sich die Versammelten, dass ein solches Museum bundesweite Bedeutung hat. „Es ist ein Museum, das deutsche Geschichte darstellt. Denn Einwanderung gehört dazu,“ so eine Teilnehmerin. In Deutschland haben 25 Millionen Menschen eine eigene oder familiäre Migrationsgeschichte, die in der einzigartigen DOMiD-Sammlung mit 150.000 Exponaten sichtbar wird. „Für ein Museum mit dieser Bedeutung sind 77 Millionen Euro geradezu preisgünstig“ so ein Teilnehmer.
Bund und Land sollen nach Ansicht der Initiatoren mehr zuschießen, aber auch die Stadt Köln sei in der Pflicht. Die Hallen müssen ohnehin saniert werden, was die Stadt auch ohne das Museum Millionen kosten würde. Verwiesen wurde auf 9 Millionen Euro aus einem früheren Konjunkturförderprogramm, die für Kalk vorgesehen, aber bisher nicht dort verausgabt wurden. Ebenso wurde nach Einsparpotential bei der Umsetzung des Standorts in Kalk gefragt. „Wenn man das Museum am Neumarkt auf ein Fünftel schrumpfen kann, dann sollte es ja wohl möglich sein, in Kalk auf die Hälfte zu gehen und damit im Kostenrahmen zu bleiben“, so Boris Sieverts. Der Standort in den ehemaligen KHD-Hallen in Kalk sei genau der richtige, um die Geschichte derjenigen erlebbar zu machen, die dort gearbeitet haben und dort leben. Das Museum SELMA sei ein Ankerprojekt für die Entwicklung des gesamten Hallen-Kalk-Areals und ein Leuchtturmprojekt für den ganzen Stadtteil und das rechtsrheinische Köln.
Vertreter des DOMiD, dessen Sammlung im Museum ausgestellt werden soll, erläuterten die Hintergründe und die zahlreichen Bemühungen, die man seit August vorigen Jahres mit den Fördergebern und der Stadt unternommen hat. Mit Hinweis auf die Verfristung der 44 Millionen Euro Fördergelder von Bund und Land zum 31. Dezember baten sie um Verständnis, dass man sich um den Standort im Kulturzentrum am Neumarkt bemühe. Sollte die Akquise der fehlenden 33 Millionen Euro gelingen, werde man das Projekt in den Kalker Osthallen natürlich wieder aufnehmen, „das bis auf die letzte Steckdose geplant ist.“
Die Initiatoren wollen eine bundesweite Kampagne starten, unter Einbeziehung möglichst vieler Künstler und Prominenter, mit offenen Briefen, Petition, Veranstaltungen, Konzerten, kreativen Aktionen. Wer das unterstützen möchte, meldet sich bei info@selma-bleibt.de
Quelle: Jan Schlagenhauf für die Initiative „Museum SELMA bleibt!“ / Boris Sieverts - Büro für Städtereisen